Aufforstungsratgeber der Steirischen Landesforstgärten

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1. Behandlung der
Forstpflanzen im Forstgarten

2. Behandlung der
Pflanzen bis zum Versetzen

3. Baumartenwahl

4. Pflanzung

5. Behandlung der
Pflanzen nach dem Versetzen

5. Behandlung der Pflanzen nach dem Versetzen

Wildschutz:

In Gebieten mit hohem Wildstand und dadurch auftretenden Verbiss- und Fegeschäden kann man auf einen entsprechenden Wildschutz nicht verzichten. Grundsätzlich muss zwischen Einzelschutz und Flächenschutz unterschieden werden. Gilt es großflächige Aufforstungen mit gefährdeten Baumarten zu schützen, so ist eine Zäunung der Fläche die einfachste und günstigste Lösung. Für den Einzelschutz bieten sich je nach dem, welchem Schaden vorgebeugt werden soll, sowie je nach Baumart verschiedene Methoden an.

Baumschutzhüllen und Baumschutzsäulen:

Diese Methode des Einzelschutzes wird fast ausschließlich bei Laubhölzern angewandt. Sie ist ein Schutz sowohl gegen den Verbiss, als auch gegen das Verfegen. Diese Variante ist die sicherste, allerdings aber auch die aufwendigste und teuerste, um die Verjüngung vom Wild zu schützen.

Unbehandelte Schafwolle:

Nadelholzpflanzen können auch durch das Anbringen von Schafwolle am Terminaltrieb gegen Verbiss geschützt werden. Bei Laubholz kann eine nötige Haftung der Wolle am Terminaltrieb über den Winter hindurch meist nicht erzielt werden. Achtung! Nicht zu viel Schafwolle auf den Trieb geben – nur ein paar einzelne Haare.

Chemischer Verbissschutz:

Unter chemischem Verbissschutz versteht man je nach Ausbringungsverfahren und Jahreszeit der Anwendung verschiedene Mittel, welche dünn auf den Terminaltrieb aufgetragen werden. Achtung! Bei zu dickem Auftragen des Mittels wird die Pflanze durch diese Schicht am Austreiben gehindert.

Fegeschutzhülsen:
Bei der Anwendung der Fegeschutzhülse ist im Gegensatz zu den Baumschutzhüllen und –säulen kein Pflock zur Fixierung notwendig. Allerdings kann die Fegeschutzhülse nur bei derart großen Pflanzen eingesetzt werden, welch die Hülse bereits aus eigener Kraft halten.

Stachelbäume:

Stachelbäume sind ein mechanischer Fegeschutz und werden häufig bei Lärchen eingesetzt. Gegen Verbissschäden kann dadurch kein Schutz erzielt werden. Stachelbäume müssen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben, unbedingt entfernt werden, um ein Einwachsen in den Stamm zu verhindern.

Verpflockung:
Durch die Verpflockung der Pflanzen mit mindestens 3 Pflöcken kann ein Verfegen teilweise verhindert werden.

Chemischer Fegeschutz:
Dieser Schutz wird hauptsächlich bei größeren Laubholzpflanzen angewandt, welche der Gefahr des Verbisses schon entwachsen sind, jedoch noch verfegt werden können. Diese Methode hat eine Wirkungsdauer von ca. 2 Jahren.

Genauere Auskünfte, sowie diverse chemische Mittel und Materialien für den Wildschutz erhalten Sie in unseren Forstgärten.

Die Beseitigung der Schlagvegetation:

Die Schlagvegetation kann je nach Bestand die Verjüngung begünstigen oder hemmen. Günstige Wirkungen sind:

  • die Humusbildung von Waldkräutern
  • verbesserte Zersetzung von saurer Nadelstreu
  • Strahlungs- und Verdunstungsschutz
  • Verbesserung des Bodenlebens, Humusanreicherung
  • Erosionsschutz

Nachteile einer Schlagvegetation sind die Erschwerung der Kulturarbeiten und die Konkurrenz zu den Forstpflanzen. Die Vor- und Nachteile der Schlagvegetation müssen abgewogen und mögliche Behandlungen überlegt werden. Grundsätzlich sollte nur selektiv und kleinflächig eingegriffen werden, um die Folgeschäden der Unkrautbekämpfung zu minimieren. Freistellungsmaßnahmen sollten nur dann erfolgen, wenn Pflanzen von Unkraut überwachsen bzw. verdämmt werden. Die Entfernung der Schlagvegetation soll vor der Samenreife der Unkräuter, also bis ca. Juni erfolgen. Für die Beseitigung stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl. Mittels Kultursense oder Freischneidegerät kann der Bewuchs mechanisch entfernt werden. Die chemische Unkrautbekämpfung ist zwar in der Regel wesentlich weniger zeitaufwendig und billiger als die mechanische Beseitigung, sollte jedoch aus ökologischen Gründen nur angewendet werden, wenn keine anderen waldbaulichen Methoden möglich sind.

Kulturdüngung:

Eine eventuelle Startdüngung der Forstpflanzen auf mittleren bis mageren Standorten sollte erst im Jahr nach der Aufforstung erfolgen. Der Vorteil einer Düngung ist die bessere Nährstoffversorgung der Pflanze und damit ein rascheres Entwachsen aus der Gefahrenzone des Wildverbisses und der Konkurrenzvegetation. Der günstigste Zeitpunkt für eine Düngung ist, je nach Witterung, April bis Mai. Ab Juni sollte kein Dünger mehr ausgebracht werden, um eine rechtzeitige Verholzung der Triebe im Herbst zu gewährleisten und somit Frostschäden vorzubeugen. Als Düngemittel sind Vollkorn Rot und Vollkorn blau sowie Biosol als organischer Volldünger geeignet. Die ausgebrachte Menge sollte bei Vollkorn Rot und Vollkorn blau zwischen ca. 25g und 75g pro Pflanze liegen, bei Biosol kann bis zu 150g pro Pflanze ausgebracht werden. Wichtig ist, dass keine Überdosierung stattfindet, da ansonsten die Pflanzen "verbrannt" werden. Der Dünger sollte im ebenen Gelände gleichmäßig um die Pflanze verteilt sein, im geneigten Gelände bergseitig der Pflanze halbmondförmig ausgebracht werden. Es ist von Vorteil die erhöhte Bodenfeuchtigkeit bei Vegetationsbeginn auszunützen. Günstig wäre es, den Dünger kurz vor Regenfällen auszubringen. Es ist darauf zu achten, dass die Forstpflanzen während der Düngerstreuung trocken sind, damit keine Körner auf den Zweigen haften, welche ansonsten die Nadeln verätzen würden.